Transkription

Transkribieren bedeutet an und für sich „übertragen“ oder „umwandeln“. Diese Begrifflichkeit findet Verwendung in der Biologie, Musik, Editionswissenschaft und Sprachwissenschaft (Linguistik).

Biologie: Übertragung oder Umwandlung von DAN in m-RNA.

Musik: Übertragung von einem Lied / Musikstück von einem auf das andere Instrument.

Editionswissenschaft: Hierbei wird ein bereits vorliegender Text buchstabengenau abgeschrieben.

Linguistik: Hier werden Tonaufnahmen umgewandelt in die Textform. Dieser Vorgang wird auch als Verschriftlichung bezeichnet, oder aber ebenfalls als Alphabetisierung.
Selbstverständlich haben die genannten Anwendungsfelder alle ihre Gewichtung, doch liegt unser Fokus selbstredend auf den Gebrauch in der Linguistik.
Vor diesem Hintergrund kann eine alternative Definition, oder besser gesagt eine für diesen Fall angebrachtere Definition kreiert und angewendet werden.

Worum handelt es sich hierbei?

Transkription ist die Verschriftlichung des Vortrages eines Menschen und auch der Kommunikation zwischen zwei oder mehr Menschen (Diskussion oder Interview), die auf Tonbändern oder aber auch anderen Medien aufgenommen und / oder gespeichert worden sind. In Abhängigkeit davon, was genau in diesen Aufzeichnungen untersucht werden soll, kann auch das Ausmaß der Transkription variieren.

Die Transkription kann auch als Analyse von Gesprächen und Konversationen bezeichnet werden, die nach bestimmten Regeln (Transkriptionsregeln) erfolgt und einen wissenschaftlichen Zweck verfolgt. In einfachen Worten (im allgemeinen Sprachgebrauch) wird transkribieren meistens als „Umwandlung von Sprache in Text“ verstanden.

Transkription als Vorgang

Die technischen Entwicklungen in der Vergangenheit haben dazu geführt, dass auch im Rahmen der Transkription neue Möglichkeiten für die Datenerhebung existieren. Beispielsweise wurden früher gesprochene Wörter auf Kassetten aufgenommen und abgespielt, während jemand mit Hilfe eines Transkriptionsgerätes die gehörten Wörter abgetippt.

Mit Hilfe der Technik

Heute können mit Hilfe von bspw. Diktiergeräten, die eine USB-Verbindung erlauben, Gespräche aufgezeichnet und am Computer über entsprechende Software (z.B. Windows-Media-Player oder VLC-Media-Player) abgespielt werden. Die Qualität bei solchen Aufnahmen kann auch mal unbefriedigend sein. Je größer die Räumlichkeit oder die beteiligte Personengruppe ist, desto mehr können Störfaktoren die Qualität solcher Aufnahmen beeinträchtigen.

Bessere Geräte, die eine Möglichkeit zur Erweiterung mit einem Mikrofon besitzen, liefern qualitativ hochwertigeres Material, welches auf den Computer übertragen, digitalisiert, verarbeitet und archiviert werden kann. Wenn hochwertige Aufnahmegeräte verwendet werden, minimiert sich das Risiko oder der Grad des Einflusses von Störfaktoren in der aufgezeichneten Sprach- / Tondatei.

Ganz einfach am Computer

Programme Software

Die Transkription als solche kann ebenfalls direkt am Computer vorgenommen werden. Das Tonmaterial kann abgespielt werden und wenn die dafür notwendige Software vorhanden ist können auch solche Schritte vorgenommen werden wie:

  • Änderung der Tonhöhe
  • Änderung der Geschwindigkeit beim abspielen
  • Zurückspulung in bestimmten einstellbaren Zeitintervallen usw.

Anlässe als Grundlage für die Erstellung von Transkripten sind:

  • Interviews und Befragungen
  • Gruppendiskussionen
  • Kundengespräche (Service-Hotline)
  • Vorträge und Podiumsdiskussionen
  • Konferenzen und Tagungen
  • Präsentationen
  • TV- oder Filmaufnahmen
  • Referate (eher ein schulisches Phänomen)
  • Diktate
  • Und zahlreiche andere Begebenheiten, wo ein sprachlicher Austausch stattfindet

Veranschaulichung von Transkription anhand von Diktaten

Unter einem Diktat versteht man seiner „Urform“ nach einen Text, der unveränderlich ist. In der Regel handelt es sich dabei um eine Anordnung oder einen Befehl. Es gibt unterschiedliche Anwendungsbereiche, in denen Diktate Anwendung finden. Von diesen werden beispielhaft drei hier dargestellt: Am weitesten sind Diktate in dem Schulwesen verbreitet.

Verwendung in der Schule

Verwendung in der Schule TranskribierenDer Ablauf ist simpel: Einem Schüler wird etwas vorgelesen, oder besser gesagt vorgesprochen, der dann die gesprochenen Worte auf Papier bringt, also verschriftlicht. Es dient dazu, die Rechtschreibkenntnisse des Schülers zu überprüfen und eventuell auftretende Wissenslücken dann zu schließen. Klar sind solche Diktate nicht nur auf Schüler ausgerichtet. Es existieren sogar Wettbewerbe, an denen jeder teilnehmen kann.

Aber auch außerhalb der Schule

Darüber hinaus werden Diktate auch im Berufsleben eingesetzt. In jeder Art von Büro kommt es dazu, dass vor allem Vorgesetzte / Verantwortungsträger ihren Sekretären Texte vortragen, die diese dann niederschreiben. Die Übermittlung dieser Texte kann direkt (meistens nach dem „vier Augen Prinzip“) erfolgen. Oder aber der Text wird auf einem Tonband hinterlegt, das dann abgespielt und alphabetisiert wird.

In der Politik

Auch in der Politik finden Diktate ihre Anwendung. Dies ist fast ausschließlich in einer Konstellation der Fall: Nach Kriegsende werden dem Verlierer des Krieges von der Siegermacht Bedingungen diktiert, denen er sich nicht mehr widersetzen kann. Der Friedensvertrag wird dann mit Einschluss dieser Bedingungen verschriftlicht und von allen involvierten Parteien unterzeichnet.

Diktat = Transkription?

In diesem Fall nimmt das Diktat wieder seine „Urform“ an und stellt eher eine Anordnung, ja sogar einen Befehl dar. Wir sehen hier ganz leicht, dass ein Diktat eine Transkription in seiner reinsten Form darstellt. Alles was gesprochen wird, kommt auf das Papier. Falls eine Notwendigkeit besteht, wird dieser Text dann auch unterschrieben. Somit sind Diktate auch einsetzbar, um Verträge wunschgemäß aufzusetzen / niederschreiben zu lassen.

Diktatsoftware

Stellt man sich einmal vor, wie umfangreich die Niederschrift einer alleine einstündigen Tonaufzeichnung ausfallen kann, ist es nicht verwunderlich, dass Entwickler von Software bemüht sind diese Arbeit durch geeignete Programme bewerkstelligen zu lassen. Die Nachfrage besteht permanent.

Bei der Transkription kann zumindest die Niederschrift direkt bei Abhörung der Tonaufzeichnung über Textverarbeitungsprogramme erfolgen.
Auch bei der Diktatniederschrift über Tonaufnahmen ist dieser Vorgang möglich.

Aber ein direktes Diktat wird in der Regel handschriftlich verfasst und muss dann erneut wieder über Textverarbeitungsprogramme erfasst, bearbeitet und zu einer endgültigen Form gebracht werden.

Eine Vielzahl an Programmen

Es existieren mittlerweile Programme, die das gesprochene Wort in Text umwandeln. Dazu benötigt man lediglich einen Computer, das Programm, welches die gesprochenen Worte aufnimmt und in einem Textverarbeitungsprogramm zur Schrift bringt und ein Mikrofon (je qualitativer, desto besser auch die Verarbeitung der aufgenommenen Worte).

Transkriptionsvarianten

Die eigentliche Interviewtranskription kann im Grunde auf 4 verschiedene Arten vorgenommen werden:

(1) Gedächtnisbasiert

Hierbei werden die Erinnerungen und die in Form von Stichworten festgehaltenen Informationen analysiert. Typischer weise findet diese Methode eher im Journalismus Anwendung als in der Wissenschaft.

(2) Protokollbasiert

Direkt im Anschluss an das Gespräch wird ein zusammenfassendes Protokoll erstellt. Diese Form war gängig in der Zeit vor der intensiven Nutzung von Computern in der Privat- und Arbeitswelt.

(3) Bandbasiert

Das hieraus resultierende Transkript gibt nur einen Teil (sozusagen den Kern) des Originaltextes wieder und schneidet den Rest der Aufnahme nur im Bedarfsfall (für einen logischen Aufbau des Transkriptes) an.

(4) Transkriptbasiert

In diesem Fall erfolgt eine allumfassende Transkription statt. Keine Information oder kein Gesprächsinhalt fällt hier außen vor. In der Praxis (gemeint ist hier die wissenschaftliche Praxis) finden nur die Varianten drei und vier Anklang und entsprechend Anwendung.  Geklärt werden muss die Frage, in welchem Umfang die Transkription erfolgen soll.

Je genauer sie ist, desto kostspieliger wird sie auch. Dabei geht es nicht nur um die finanzielle Perspektive, sondern auch insbesondere um die zeitliche Komponente. Es wird davon ausgegangen, dass eine einfache Transkription in der Regel bis zu dem zehnfachen an Zeit in Anspruch nimmt, als das tatsächliche Interview ursprünglich gedauert hat.

Nicht immer sinnvoll?

Vor dem Hintergrund der sinnvollen Ressourcenverwendung muss sich jeder, der eine Transkription anfertigt, oder anfertigen lassen will, im Klaren sein, wofür er die Arbeit anfertigt und welcher Umfang bei dem transkribieren eines Interviews – oder einer anderen Variante, der oben aufgeführten Gegebenheiten – angemessen ist. Eine vollständige und allumfassende Transkribierung könnte bspw. In Betracht gezogen werden, wenn es darum geht, aus dem vorliegenden Datenmaterial eine Theorie herzuleiten.

Transkriptionsregeln

Es existieren keinerlei verpflichtende Regeln. Zumindest kann keine Rede von Transkriptionsstandards sein. In der Praxis gibt es unterschiedliche Transkriptionsregeln, die gemeinsam koexistieren. Diese Regeln unterscheiden sich auf der Basis von der Detailtiefe der anzufertigenden Transkription.

transkriptionsregeln gordana

Transkriptionssystem

Transkriptionssystem wiederum legen fest, wie die Niederschrift der gesprochenen Sprache endgültig erfolgen soll. Wenn solche Grenzen oder Regeln beschlossen werden, kommt es allerdings in unumgänglicher Weise zum – zumindest teilweisen – Verlust der zu verarbeitenden Informationen. Ob und wenn ja, in welchem Umfang dieser Tastbestand hinzunehmen ist, hängt von dem Adressaten der Transkription ab.

Transkriptionssysteme können im Hinblick auf folgende Kriterien unterschieden werden:

  • Betonung der Sprache
  • Lautstärke des Gesprächs
  • Evtl. auch auftretende Wortdehnungen
  • Eingelegte Pausen und deren Umfang
  • Das Gespräch beinhaltet Dialekte
  • Das Durcheinanderreden der Gesprächsbeteiligten
  • Auftretende Laute wie Lachen, keuchen, stöhnen usw.
  • Halb ausgesprochene Wörter
  • Auftreten von nicht verständlichen Ausführungen
  • Externe Einflussgrößen, wie Geräusche und Töne
  • Hinzukommen oder abtreten von Personen in das aufgezeichnete Gespräch
  • Es existieren zwar zahlreiche Transkriptionssysteme, aber folgende vier Systeme sind in der Praxis am weitesten verbreitet:

Halbinterpretative Arbeits-Transkription (HIAT)

Dieses System legt besonders Wert auf die Bewahrung der Zeitverhältnisse der zu transkribierten Aufnahme bei mehreren Sprechern.

Diskurs Datenbank (DIDA)

Zielt ebenfalls auf die Transkribierung von Aufzeichnungen mehrerer Sprecher ab und wurde am Institut für deutsche Sprache entwickelt.

Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem (GAT)

Dieses System ist linguistisch orientiert.

Codes for human analysis of transcripts (CHAT)

Auch dies ist ein linguistisch orientiertes System. Diejenigen Systeme, die linguistisch orientiert sind, stellen arbeitsintensive und auf eine detaillierte Transkription ausgelegte Systeme dar.

Es wird unterschieden zwischen folgenden Techniken der wörtlichen Transkription:

  1. Das internationale phonetische Alphabet wird zur Transkription verwendet.
  2. Die literarische Umschrift gibt mit Hilfe des gewöhnlichen Alphabets auch den dialektischen Sprachgebrauch wieder.
  3. Die Aufzeichnung wird in normales Schriftdeutsch übertragen.

Vielschichtige Möglichkeiten

Die erste Methode ist bereits überholt und wird beinahe nicht angewendet. Die sich am stärksten durchgesetzte Methode ist die Übertragung von Aufzeichnungen in das normale Schriftdeutsch, bei der im Bedarfsfall auch dialektische Sprachelemente mitverarbeitet werden. Falls jedoch solche Elemente mitverarbeitet werden sollten, steigt der Schwierigkeitsgrad beim Lesen solch einer Transkription.

Die Wahl des Systems zur Transkription muss sich danach richten, welchem Zweck diese dienen soll. Handelt es sich um eine gewöhnliche Interviewanalyse, sind solche Aspekte wie die Transkription von Pausen und ähnlichen „extra“-Elementen nicht von Bedeutung. Diese können außer Acht gelassen werden, um alle notwendigen und bedeutsamen Aspekte der transkribierten Aufzeichnungen zu erfassen. Bei der detaillierten Analyse einer Konversation an und für sich können jedoch alle nur erdenklichen kleinen Details von großer Bedeutung sein und zu einer aufschlussreichen Analyse führen.

Eine weitere Stufe

Es gibt allerdings auch eine Stufe vor der eigentlichen Transkription. Schon während des Interviews, aber spätestens beim Abhören der Aufzeichnung, besteht eine klare Vorstellung darüber, was dabei eigentlich in Erfahrung gebracht werden soll. Es werden bereits Hypothesen aufgestellt und die Möglichkeit von vermutlich existierenden Besonderheiten in Erwägung gezogen.

Solche Gedanken und Eventualitäten sind wertvoll und sollten selbstverständlich festgehalten werden. Deren Aufzeichnung gehört aber nicht in die Transkription selbst hinein, sondern sollten in Form eines zusätzlichen Dokumentes erfasst werden. Es ist eine Art Bericht denkbar, welches über das transkribierte Interview erstellt wird.

EDV als Hilfe

Unabhängig von der Wahl des Transkriptionssystems müssen die Transkriptionsregeln so gewählt werden, dass eine spätere computerbasierte Untersuchung, Analyse und / oder Auswertung mit Hilfe von hierzu geeigneter Software reibungslos ablaufen kann. Der Computer ermöglicht es mit minimalem Zeitaufwand bestimmte Zeichen sogar in einer sehr großen Anzahl von Seiten an Text heraus zu filtern. Aus diesem Grund sollte von vorn herein klar sein, dass einmal gewählte Bezeichnungen (unbedeutend für welches Element es sein sollte) bei der Transkription über den gesamten Text hinweg beibehalten werden. Ein Springen von einer Variante der Bezeichnung zu einer anderen kann die anschließende Analyse der Transkription erschwere, oder gar verfälschen.

Es ist unabdingbar, dass die Schreibweise einheitlich aufgebaut und beibehalten wird. Die Bezeichnung für die Sprecher bspw. sollte stets vollständig in Großbuchstaben erfolgen. Denn abgesehen bei den jeweiligen Beiträgen können die Bezeichnungen für die Sprecher auch innerhalb des Textes vorkommen. Nach Beendigung eines Sprechbeitrages sollte eine Leerzeile eingefügt werden, jedoch nicht die Sprecherbezeichnung von seinem Sprechbeitrag trennen. Die Möglichkeit der Zuordnung eines Beitrages zu seinem Sprecher ist dann nicht mehr zu gewährleisten.

Datensicherheit&Anonymität

Wenn eine wissenschaftliche Analyse erfolgen soll, muss eine Anonymisierung der Daten erfolgen. Es ist empfehlenswert, dass dieser Vorgang nach der Transkription vorgenommen wird. So werden die transkribierenden Personen nicht auf unnötige Weise verwirrt oder überfordert. Die Anonymisierung betrifft sowohl die Namen der Sprechenden, als auch deren spezifischen Daten und Orte. All diese Informationen müssen in einer Form abgeändert werden, sodass keine direkten Rückschlüsse mehr gezogen werden können.

Wenn die genannten Bezeichnungen in einer bestimmten Art und Weise codiert und abgeändert werden, sollte auch eine Tabelle erstellt werden, dass eine eventuelle spätere eigene Entschlüsselung gewährleistet werden kann.Es stellt sich hier auch die Frage, wie die Transkription der Texte an sich ausgestaltet werden muss, damit deren Analyse unter dem Einsatz von geeigneten Programmen erfolgen kann. Es empfiehlt sich die Transkriptionen mit einem Verarbeitungsprogramm für Texte zu erfassen. Die erzeugten Texte müssen dann sehr gründlich gelesen und auf Fehler überprüft werden. Falls solche festgestellt werden sollten, müssen sie selbstverständlich korrigiert werden.

Die Vorarbeit ist geleistet!

vorarbeit transkription

schinsilord – Fotolia.com

Wenn man dann der Meinung ist, dass der vorliegende Text die gewünschte Form hat, wird dieser über die genutzte spezielle Software importiert und im gewünschten Format abgespeichert.
Was sagen uns die bisher gemachten Ausführungen eigentlich?

Eine sinnvolle Transkription kann nur dann hervorgebracht werden, wenn man ihren Zweck eindeutig definiert. Darüber hinaus müssen die passenden Systeme und die dazu passenden Standards festgelegt werden.
Auch wenn es keine allgemeingültigen Regeln für die Transkription gibt, existieren jedoch trotzdem unterschiedliche Regelwerke hierfür.

An dieser Stelle soll eine der weit verbreiteten Regelwerke nach Dresing/Pehl dargestellt werden. Hier werden Transkriptionsregeln zum einen für die einfache Transkription und zum anderen für die erweiterte Transkription aufgestellt und miteinander verglichen.

Beginnen wir mit den einfachen Transkriptionsregeln:

  1. Die Transkription erfolgt in wörtlicher Art. Weder wird Lautsprache verwendet, noch wird resümierend transkribiert. Dialektische Besonderheiten müssen in das Hochdeutsch übersetzt werden. Falls keine Übersetzung möglich sein sollte, werden die Ausführungen in ihrer originalen Form übernommen.
  2. Wortschleifungen müssen in das normale Schriftdeutsch abgeändert werden. Jedoch wird die originale Satzform nicht verändert, sogar wenn die Satzsyntax fehlerhaft ist.
  3. Wort- und Satzabbrüche werden nicht transkribiert. Auch Wortdoppelungen werden nicht aufgenommen, es sei denn sie sind für Betonungen eingesetzt. Halbsätze deren Bedeutung erkennbar ist, aber die nicht zum Abschluss gebracht worden sind, werden transkribiert. Diese müssen mit dem Abbruchzeichen „/“ versehen werden.
  4. Wenn Laute aufkommen, die das Verständnis des gerade zuhörenden Konversationspartners signalisieren (aha, mhm, ähm u.a.), finden diese keine Beachtung im Rahmen der Transkription. Sollten diese Laute / Äußerungen jedoch in ihrer reinen Form eine Antwort darstellen, werden sie mit dem Vermerk „(bejahend)“ oder „(verneinend)“ in die Transkription aufgenommen. Somit wird der transkribierenden Person auch ein gewisser Spielraum überlassen.

Nun die erweiterten Transkriptionsregeln:

  1. Die Transkription erfolgt buchstäblich. Im Gegensatz zu der einfachen Transkription werden hier die Wörter so niedergeschrieben, wie sie ursprünglich bei dem Interview – oder einer anderen Art der sprachlichen Äußerung – auch ausgesprochen wurden. Also werden bspw. Verkürzungen der Wörter und andere sprachlich besonderen Elemente in ihrer ursprünglichen Form in die Transkription übernommen.
  2. Alle dialektischen Elemente werden so übernommen, wie sie der zu transkribierenden Aufnahme entnommen werden. Es findet keine Übertragung oder Übersetzung in das Hochdeutsche statt.
  3. Wort- und Satzabbrüche werden ohne die Vornahme einer Unterscheidung, wie bei der einfachen Transkription, übernommen und ebenfalls mit dem Abbruchzeichen „/“ versehen. Auch Doppelungen der Worte werden unabhängig von ihrem Zweck aufgenommen, wie sie in der Aufzeichnung auftreten.
  4. Im Gegensatz zu der einfachen Transkription werden hier jegliche Arten von Lauten und Signalen uneingeschränkt bei der Transkription verschriftlicht (alphabetisiert). Grundsätzlich gilt, dass alle Äußerungen, der an der Konversation oder aber auch Befragung teilnehmenden Personen ohne Beschränkung transkribiert werden.
  5. Bei der erweiterten Transkription werden auch Pausen, die im Verlauf der Sprachaufzeichnung auftreten können, kenntlich gemacht. Zur optischen Darstellung dieser und anderer Besonderheiten folgt am Ende der Ausführungen eine Übersicht.

Die Regeln für beide Herangehensweisen wurden dargestellt. Im Kern entstehen jegliche Unterschiede aufgrund der Tatsache, dass bei der einfachen Variante wörtlich transkribiert wird, jedoch bei der erweiterten Methode erfolgt die Transkription buchstäblich.

Weitere Anforderungen an die Transkriptionsregeln

Es existieren darüber hinaus weitere Anforderungen, die an beide Arten der Transkriptionsregeln gestellt werden:

  1. Um die Lesbarkeit des Transkripts nicht zu gefährden und / oder die Lesbarkeit zu erleichtern, kommt bei einer Stelle in der Tonaufnahme mit unklarer Aussprache oder Betonung für die Interpunktion ein Punkt zum Einsatz und kein Komma. Somit soll sichergestellt werden, dass sinngemäß zusammengehörende Spracheinheiten auch nicht voneinander getrennt werden.
  2. Wenn Wörter oder Aussagen über das normale Maß hinaus betont werden, werden sie vollständig in Großbuchstaben alphabetisiert.
  3. Laute und Aussagen emotionaler Natur werden bei der Transkription in Klammern gesetzt.
  4. Nicht eindeutig verständliche Wörter müssen erkennbar gemacht werden mit „(unv.)“. Wenn es um Passagen geht wird auch die Angabe der Ursache benötigt – bspw. „(unv. Störung an dem Aufnahmegerät)“. Grundsätzlich werden solche Stellen mit der Zeitangabe gekennzeichnet – bspw. „(unv. #01:28:35#)“.
  5. Wenn der Gebrauch von Abkürzungen oder Sonderzeichen in der Aufnahme vorkommen sollten, müssen diese ausgeschrieben werden.
  6. In einer Unterhaltung kann es dazu kommen, dass synchron gesprochen wird. So genannte Sprachüberlappungen kennzeichnet man wie folgt (Beispiel anhand einer kleinen Teil-Transkription):
  • A: Heute war doch nicht geplant //
  • I: das könnte von Vorteil sein.
  • A: // dass ein Meeting stattfindet.
  1. Fremdsprachige Wörter müssen nach den Regeln der deutschen Rechtsschreibung behandelt werden.
  2. Bei den Anredeformen wird auch differenziert: Höflichkeitsanreden wie „Sie“ und „Ihnen“ werden, wie es in Briefen auch der Fall ist, groß geschrieben. Die restlichen Anreden werden klein aufgenommen.
  3. Bei Sprichwörtern und Redewendungen verfährt man so, dass diese wörtlich verschriftlicht werden.
  4. Kommen in der Aufzeichnung Zitierungen zur Geltung, werden diese in Anführungszeichen gesetzt.

Zu guter Letzt: einige Techniken

Wie man sehen kann, handelt es sich bei der Transkription um eine sehr umfangreiche und detaillierte Arbeit, die verrichtet werden muss.

Zu guter Letzt wird die optische Behandlung oder Umsetzung von Besonderheiten bei der Transkription aufgezeigt. Die Technik / Herangehensweise wird als TiQ (Talk in Qualitative Social Research) bezeichnet:

als Zeichen für den Beginn einer Sprachüberlappung
als Zeichen für das Ende einer Sprachüberlappung
(.) stellt eine Pause im Sprachfluss dar (1 Sekunde)
(9) gibt an, wie viele Sekunden eine Pause dauert
sicher betonte Wörter
SICHER besonders stark betonte Wörter
sicher laute Aussprache von Wörtern
°sicher□ äußert leise Aussprache von Wörtern
.  starker Abfall der Tonhöhe beim Sprechen
; schwacher Abfall der Tonhöhe beim Sprechen
? starker Anstieg der Tonhöhe beim Sprechen
, schwacher Anstieg der Tonhöhe beim Sprechen
deswe- wenn ein Wort nicht ganz ausgesprochen wurde
so=ein Verschleifung von Wörtern (zwei Wörter werden verschmelzt)
siche:::r bei der Dehnung von Wörtern (mehrere : bedeuten längere Dehnungen)
(vielleicht) wenn bei der Transkription Unsicherheiten auftauchen
( ) Äußerungen, die unverständlich sind
((gähnt)) Darstellung von emotionalen Ausdrücken, oder auch Gestiken und Mimiken; die Länge der gesetzten Klammern soll die Dauer dieser Handlungen widerspiegeln.
Transkribieren
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